Warum manche Patient*innen übersehen werden

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Es kann sich ergeben, dass man bei der einen Patientin die geteilte Lebensgeschichte in sich halten kann, fast jedes Detail erinnert und es zur Verknüpfung mit den aktuellen Symptomen bereit liegt. Auf der anderen Seite scheint es mir Patient*innen zu geben, bei denen dieses Halten der Biographie schwerfälliger geschieht, es mehrere Momente gibt, in denen man sich mit Scham vergegenwärtigt, dass die Person dies tatsächlich schon mehr als einmal berichtet hat, es aber immer noch nicht im Sediment der in dem Therapeuten entstehenden Biographie abgesetzt hat.

Nun kann dieses Verdrängen vielfältige Gründe haben. In einem Seminar haben wir erst kürzlich die Möglichkeit besprochen, dass Müdigkeit in einer Sitzung kaum als Gegenübertragung gewertet werden kann, wenn die Sitzung in einer solchen Zeit stattfindet, in der die therapierende Person üblicherweise ein geringes Energieaufkommen hat. Eine solche Unaufmerksamkeit könnte am Werk sein, quasi strukturell bedingt durch die Zeit des Gesprächs. Diesen Aspekt kann ich für mich nicht ganz ausschließen. Ein anderer Aspekt besteht möglicherweise in der Art und Weise wie erzählt wird. Eine affektive Symptomatik kann in diesem Sinne ja mit einer weniger lebendigen Erzählung einhergehen, der möglicherweise schwerer zu folgen ist. Möglicherweise ist es eine Gegenübertragung, in der eine übliche Beziehungserfahrung reaktualisiert wird. Vielleicht erlebt die Person es häufiger, dass man ihr scheinbar nicht zuhört, Dinge vergessen werden, die sie schon mehrfach wiederholt hat.

Ich habe aber den Eindruck, dass es noch um etwas mehr gehen könnte. Möglicherweise betrifft dieses Phänomen auch Patientinnen, die besonders kraftvoll einen peinlichen Ausschnitt der Realität von sich fern halten, Patientinnen, in denen besonders starke Verdrängungsprozesse wirksam sein könnten. In diesem Bild werde ich, wenn ich das Erzählte in meiner Erinnerung nicht halten kann, zum Ort, an dem sich diese Kraft zeigt. Ich gerate in die Rolle einer Art Co-Verdrängung, die verhindert, dass Erinnerungsspuren im Raum verbleiben, die zum unangenehmen Material führen könnten.