Notiz 019: Ein Drang trifft auf eine Leere. Eine kurze Notiz zum Gefühl der Sinnlosigkeit.

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Ein Gefühl der Sinnlosigkeit, ein Gefühl der Leere im Angesicht des Lebens stellt ein herausforderndes Gefühl in der Therapie dar. Es scheint meist zunächst auf die Beruflichkeit eines Menschen gerichtet zu sein. Bald darauf klingt vielleicht jedoch an, dass dieses Gefühl um sich greift, längst nicht nur die Arbeit, sondern alle Bereiche des Lebens umfasst. Der Alltag, vor allem Beziehungen, der Kontakt zu Menschen erscheint ebenso sinnlos wie die Erwerbsarbeit.

In der Gegenübertragung erscheint dieses Gefühl manchmal schwer aushaltbar. Als eigene Hilflosigkeit, vielleicht als Drang, sich gegen diese Leere aufzubäumen, dem Gegenüber zuzurufen, dass es doch Ressourcen und Stärken trage, einen einzigartigen Blick auf die Welt habe und dieser in der Welt gebraucht werde. Es ist vor allem dieser Drang, den ich persönlich mir als Antwort auf dieses Gefühl vorstelle und der mir in den bisherigen Therapien begegnet ist. Und ich glaube, darin liegt bereits ein entscheidender Punkt, der auf das Problem weist. Ein Drang trifft auf eine Leere.

In einem Seminar sprachen wir über dieses Problem und kamen bei der Beziehung heraus. Nicht bei Fragen der Allokation, der Vermittlung zwischen Stärken der Patienten und dem Arbeitsmarkt, nicht bei Fragen eines irgendwie zu verändernden, anzupassenden Verhaltens im sozialen Kontakt.

Bei der Beziehung als Einbettung. Der Einbettung in sich selbst und der Einbettung in Beziehungen und die Welt. Sinnlosigkeit scheint dort besonders wahrscheinlich zu werden, wo ein Verhältnis zu den eigenen Regungen oder zu anderen Menschen verloren gegangen ist. Damit ist nicht das innere Verhältnis zu und Wissen über eigene Kompetenzen gemeint, sondern ein Verhältnis zum Gefühl insgesamt. Es ist dann nicht die Frage, wo die eigenen Stärken liegen, sondern wo sich etwas regt. Und ähnlich ist es ein fehlendes Verhältnis im Außen. Sinnlosigkeitserleben ist häufig mit der Erfahrung verbunden, keine Resonanz erlebt zu haben, nicht gespiegelt worden zu sein, vielleicht eher im Gegenteil als Spiegel benutzt worden zu sein, sodass die Frage in der Leere verbleibt, wer man selbst eigentlich ist. In dieser Weise spiegelt sich das Problem möglicherweise in dem Gefühl der Gegenübertragung: Ein Drang (der Drang zu sich selbst in der Welt) trifft auf eine Leere in den wesentlichen Menschen um das Individuum herum.

Die Sinnlosigkeitserfahrung wäre dann also weniger eine Frage des Verhältnisses zur Erwerbsarbeit. Es ist eine Frage der Beziehung. Der Beziehung zu sich selbst und der Beziehung zu anderen Menschen. Dort, wo Begegnung mit sich selbst und anderen wieder möglich wird, verliert die Frage nach dem Sinn häufig etwas von ihrer Dringlichkeit.

Damit ist allerdings, glaube ich, nur ein kleiner Teil dieses Gefühls erfasst. Im Gefühl der Sinnhaftigkeit scheint mir eine vielfältige Integration des Selbst stattzufinden. Bildlich gesprochen: Das Selbst zieht sich im Sinnerleben zusammen, schließt die Leere und hält sich selbst in der Welt. Und vielleicht passt dieses Bild ebenfalls zu einer Reaktion in der Gegenübertragung, die zum Ausdruck des Sinnlosigkeitserlebens gehören kann:

„Reiß dich zusammen.“

Als müsste etwas wieder zusammengeführt werden, das innerlich auseinanderzufallen droht. Und dieses Zusammenführen geschieht von mehreren Seiten gleichzeitig, kann einseitig vielleicht nicht begriffen werden.