Das innere Team als Intervention: Ein Für und Wider

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In der Arbeit mit inneren Repräsentanzen bemerke ich einen Widerstand bei mir selbst.

Manche Patienten erscheinen bereits mit komplexen Systemen innerer Anteile, die die innere Kommunikation, das Erleben und Verhalten der Person bestimmen: Das innere Team, welches z.B. häufig eine kindliche Repräsentanz (das innere Kind) und eine urteilende Repräsentanz (der/die innere Kritiker*in) enthält. Das Zusammenspiel dieser beiden häufigen Teile könnte man aus der Sicht der Objektbeziehungstheorie sicher als Beziehungsrepräsentanz der Eltern-Kind Dynamik verstehen. Im inneren Kritiker lassen sich bestimmt in den meisten Fällen Aussagen, Meinungen und Werte der Eltern bzw. der primären Bezugspersonen finden.

Zunächst ist bei all dem Widerstand, den ich spüre, aber zu sagen, dass diese innere Aufstellung für viele wertvoll und hilfreich ist und diesem Vorgehen allein dadurch recht gegeben werden muss. Es ist ein intuitives Konzept und ich übe mich eher darin als, dass ich es ablehne. Immer enthalten ist nur ein Widerstand, dem ich auf den Grund gehen möchte.

Der wesentliche Gewinn dieser inneren Aufstellung ist doch vermutlich, die innere Kommunikation zu gruppieren, verstärkt eine beobachtende Haltung einzunehmen, zu bemerken „Ah, hier ist wieder…“ oder „Jetzt ist … wieder aktiv“. Das innere Team klärt die innere Kommunikation ungemein. Die innere Aufstellung unterschiedlicher Repräsentanzen ermöglicht zudem nicht nur die Beobachtung, sondern auch die Modifikation der inneren Kommunikation. Ein bestimmter Teil kann schließlich ganz konkret angesprochen und erforscht werden — was er braucht, um vielleicht etwas weniger für Aufregung oder Trauer im System zu sorgen.

Bei all den Möglichkeiten, was macht meinen Widerstand gegen dieses Vorgehen hier aus? Es ist noch schwer für mich zu greifen, ich denke aus zweierlei Gründen:

Bildliche Verankerung unbestimmter Erfahrungen

Erstens wird hier doch vielleicht das Ergebnis einer Beziehung als Repräsentanz durch zum Beispiel das Bild des „inneren Kritikers“ ein Stück nur weiter verankert. Ist das Bild erst einmal erzeugt, ist es vielleicht schwerer, es wieder abzulegen, falls nötig. Es ist gar möglich, dass die Person selbst zu unliebsamen bzw. belastenden Anteilen, eine Verbindung entwickelt, die schließlich erschwert, sich wieder von ihnen zu trennen. Andererseits kann auch gerade das ein spannender und wichtiger Punkt sein, wenn nämlich der Patient plötzlich ein liebevolles, vielleicht mitleidiges Verhältnis zum inneren Kritiker entwickelt. Ein einziges Für und Wider…

Was ich sagen möchte ist, dass ein Bild verankert ist, das in sich eine Repräsentanz einer Erfahrung darstellt, mit konkreten Personen und Gegenständen. Und diese konkreten Erfahrungen mit Menschen, Objekten im weitesten Sinne werden ein Stück weit von der Erfahrung abstrahiert und generalisiert, verdinglicht. Doch vielleicht braucht es diese Verankerung, diese personale Integration eigentlich nicht. Ihr entgegen könnte gespiegelt und festgehalten werden, dass der Patient immer wieder die Erfahrung gemacht hat, dass er dieses und jenes gebraucht hätte, aber es nicht bekommen hat, dass die Patientin dieses und jenes wollte, aber sich nicht durchsetzen durfte. Und diese Erfahrung hinterlässt affektive Spuren und Annahmen, die es zu entdecken, zu verstehen und zu halten gilt. Vielleicht lädt die innere Repräsentanz dazu ein, den Alltag immer wieder in der inneren Kommunikation abzubilden, anstatt das Gewordensein der Person mit ihren Affekten und Gedanken, ihrem Erleben und Verhalten zu fokussieren.

Separierung innerhalb der Person

Zweitens sorgt sie für eine Seperarierung, Gruppierung im Menschen. Nicht im Sinne einer Aufspaltung der Persönlichkeit einer Identitötstörung. Aber: Ein diffuses, komplexes, manchmal chaotisches Ganzes wird zu möglichst klar separierten Einheiten untergliedert. Phänomenologisch sprechen wir hier aber von Anteilen, die eigentlich gar nicht erkenntlich sind, sondern konstruiert werden “da gibt es also einen Teil in Ihnen, der…”. Alternativ könnte in der Person die Ambivalenz gehalten werden “Sie fühlen also auf der einen Seite so und gleichzeitig auch so”.

Und zu guter Letzt kann diese Spaltung bei aller klärender Funktion und Kraft ein Stück weit die Begegnung mit dem Patienten erschweren. Die Aussagen einer Patientin werden vielleicht bereits nach kurzer Zeit durch die therapierende Person einem Anteil zugewiesen, die Patientin in Teilen betrachtet und gruppiert. Für Begegnung in der therapeutischen Beziehung kann es doch aber von großer Bedeutung sein, wenn der Mensch im Ganzen gesehen wird. In der Kategorisierung des komplexen Geistes verschließe ich mich ein Stück dieser Beziehung, ich ziehe mich zurück.

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